Arbeitspsychologische Praxis von Dr. Andreas Fida-Taumer
Stress-, Burnout- und Mobbingberatung
Herzlich Willkommen!Psychologische BeratungMobbingEmpfohlene LinksKontaktieren Sie mich!
Dissertation
Auf dieser Seite stelle ich Informationen über meine Dissertation (2004) vor:

 "KLINISCHE BINDUNGSFORSCHUNG AN EINER  SONDERERZIEHUNGSSCHULE:
VIDEOGESTÜTZTE EVALUATION EINES BINDUNGSTHEORETISCH ORIENTIERTEN LEHRERTRAININGS"

 
Auf dem Hintergrund der klinischen Bindungstheorie und -forschung wurden die Schüler und Lehrer einer Sondererziehungsschule für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche in Wien untersucht. Die Ziele dieses Forschungsprojekts sind aus dem Blickwinkel der Bindungstheorie ein erweitertes Verständnis für Kinder und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten zu erlangen und in weiterer Folge Handlungsanleitungen und Interventionen für einen förderlichen Umgang in der Praxis zu erproben und wissenschaftlich zu evaluieren.
 
Abstract:
In einer Querschnittstudie wurden die Bindungsrepräsentationen von 37 Schülern und 15 Lehrern mit dem Separation-Anxiety-Test (Kaplan, 1987) und dem Adult-Attachment-Projective (George & West, 2001a) erhoben, die Ausprägungen der Verhaltensauffällig­keiten der Schüler mit der Teacher’s Report Form (Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist, 1993) erfasst und das Ausmaß der Prävalenz von Vernachlässigungs-, Missbrauchs-, Misshandlungs- und Trennungserfahrungen der Kinder und Jugendlichen in einem halbstandardisierten Interview mit den Lehrern erfragt. Auf einer Dissoziationsskala (Child-Dissociation-Scale, CDC) schätzten die Lehrer die Häufigkeit von dissoziativen Verhaltensweisen der Schüler ein. Weiters wurde überprüft, inwieweit die Bindungsorga­nisation mit den Verhaltensauffälligkeiten und dem Ausmaß des dissoziativen Verhaltens zusammenhängt. In der untersuchten Stichprobe wurde ein sehr hoher Anteil von desorga­nisiert gebundenen Schülern (70,3%) festgestellt. Das Ausmaß der Verhaltensauffälligkei­ten der Schüler fällt, verglichen mit Stichproben von deutschen Erziehungshilfeeinrichtun­gen, wesentlich geringer aus. Die Prävalenzerhebung von Vernachlässigungs-, Miss­brauchs-, Misshandlungs- und Trennungserfahrungen ergibt ein spezifisches Profil mit einer mäßig hohen Belastung durch Beziehungstraumata. Im Vergleich zu deutschen Er­ziehungshilfeeinrichtungen erlitten die untersuchten Schüler weniger traumatische Erfah­rungen mit Ausnahme von belastenden Verlust- und Trennungserfahrungen (85%). Schüler mit organisierter Bindungsform unterschieden sich im Ausmaß der Verhaltensauffälligkeit nicht von desorganisiert gebundenen Schülern. Der Vergleich zwischen der Gruppe der Schüler mit vermeidenden und der mit ambivalenten Bindungsstrategien, unabhängig vom Organisationsgrad der Bindungsqualität, ergibt einen signifikanten Unterschied in der TRF-Syndromskala „Körperliche Beschwerden“, die bei der Gruppe mit vermeidenden Bindungsstrategien höher ausfiel. Ein Zusammenhang zwischen der desorganisierten Bin­dungsform und dem dissoziativen Verhalten der Schüler konnte nicht repliziert werden. Die Verteilung der Bindungsrepräsentationen der Lehrer ergab im Vergleich zu unbelaste­ten Elternstichproben eine geringere Häufigkeit in der sicher-autonomen Kategorie, mehr unsichere Klassifikationen und ein gänzliches Fehlen von unverarbeitetem Bindungsstatus.
 
In einer Längsschnittstudie wurden die Wirkungen eines neu entwickelten, bindungstheo­retisch orientierten Lehrertrainingsprogramms, das auf dem Konzept von Julius (2001c, 2002) basiert, auf das Schüler- und Lehrerverhalten evaluiert. Dieses Programm bestand aus monatlich stattfindenden theoretischen Informationsblöcken und Fallbesprechungen, es wurde alle vierzehn Tage durch videounterstützte Feinfühligkeitstrainings der Lehrer er­gänzt. Die Einflüsse des Trainingsprogramms auf das Verhalten der Schüler und Lehrer wurden durch ein einzelfallanalytisches Multiple-Baseline-Design mit vier desorganisiert gebundenen Schülern überprüft. Zur Erfassung der Verhaltensänderungen wurde ein kate­goriales Beobachtungssystem entwickelt, das 15 Wochen lang zweimal in der Woche in der Klasse eingesetzt wurde.

Die vier experimentellen Einzelfallstudien zeigten großteils erwartete Effekte im Lehrer- und Schülerverhalten. Bei den Lehrern konnte eine deutliche und stetige Abnahme von unfeinfühligem, abwertendem Lehrerverhalten im Laufe des Lehrertrainings beobachtet werden. Die Effekte bei den vier desorganisiert gebundenen Schülern variierten je nach dem zugrunde liegenden Bindungsmuster. Die desorganisiert vermeidend gebundenen Schüler zeigten ab dem Beginn des Trainings eine kontinuierliche Steigerung im Nähesuchen-Verhalten, bei den desorganisiert ambivalent gebundenen Schülern veränderte sich dieses Verhalten nicht. Durch die laufenden Beobachtungen wurde sichtbar, dass die desorganisiert vermeidend gebundenen Schüler mehr kontrollie­rendes Verhalten und die desorganisiert ambivalent gebundenen Schüler mehr provokantes Verhalten im Schulunterricht zeigten. Das Störverhalten nahm bei allen vier Schülern mit Beginn des Lehrertrainings im dreimonatigen Beobachtungszeitraum deutlich ab. Die ein­zelfallanalytische Evaluation weist deutlich auf bedeutsame Effekte des bindungstheore­tisch orientierten Lehrertrainings hin.
 
Betreuung:
Dr. Henri Julius ( Universität Potsdam , Institut für Sonderpädagogik , Lehrstuhl für Verhaltensgestörtenpädagogik; Universität Frankfurt, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Sonderpädagogik) und 
Prof. DDr. Christian Klicpera ( Universität Wien , Abteilung für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie ) wissenschaftlich geleitet und betreut.
 
Diplomarbeiten:
Im Rahmen dieses Projekts erstellen sechs PsychologiestudentInnen ihre Diplomarbeit mit folgenden Arbeitsschwerpunkten:
 
Untersuchungszeitraum:
Querschnittstudie -September 2002 bis Juli 2003
Längsschnittstudie - September 2003 bis Dezember 2003

Stichprobe
Sondererziehungsschule in Wien,47 männliche Schüler, 16 LehrerInnen
Methodik
Bindungstheoretische Verfahren:
Erhebung der Bindungsrepräsentationen der Schüler und Lehrer
  • Seperation Anxiety Test (SAT) – (Jacobson & Ziegenhain, 1997)
  • Adult Attachment Projective (AAP) - Erwachsenen-Bindungsinterviews (Gloger-Tippelt, 2001)

Weitere Verfahren
  • Bullying und soziographische Daten der Schüler (Julius 2001a, Anlehnung an MAS)
  • Bullying-Fragebogen mit Schülern (Klicpera)
  • Freundschaftsbeziehungen (Krappmann, Salisch)
  • Einschätzung der Verhaltensauffälligkeiten durch Lehrer mit der Teacher´s Report Form (TRF) (Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist, 1993)
  • Linzer Fragebogen zum Schul- und Klassenklima für die 4.-8. Klassenstufe (LFSK 4-8) (Eder & Mayr, 2000)
  • Linzer Diagnosebogen zur Klassenführung (LDK) (Mayr, Eder & Fartacek, 2000)
  • Verhaltensbeobachtung von Schülern in standardisierten Konfliktsituation und bindungsrelevanten Situationen
  • Feinfühligkeits-Rating der Lehrer in bindungsrelevanten Situationen.
 
English Abstract:
Based on the clinical attachment theory teachers and pupils from a school for special needs for behaviourally disordered children in Vienna were analysed.
The cross-section study examined the attachment patterns of 37 behaviourally disordered children and 15 teachers using the Separation Anxiety Test in the Jacobsen & Ziegenhain version and the Adult-Attachment-Projective according to George and West. The characteristics of the behavioural disorder were recorded with the Teacher’s Report Form and the degree of prevalence of physical violence, sexual abuse, neglect and loss was evaluated by using a semi standardized interview.
The results indicate that only 5% of these children were classified as secure while 70% were classified as disorganized. The survey of the prevalence showed that 85% of the pupils suffered under loss and separation. Compared to German schools for  special needs the pupils in this study had not that traumatic experiences, nevertheless the circumstances have to be classified as psychosocially abnormal.
In a three-month lasting longitudinal study an attachment theoretically oriented teacher training program following Julius was evaluated, which was been developed for the educational work with behaviourally disordered children putting particular emphasis to the teacher-student relationship. The program for the teachers consisted of theoretical information, case studies of pupils and video based sensitivity training. The influence of the training program on the behaviour of the teachers and pupils was evaluated for four disorganised pupils using a multiple baseline across subjects design. With the beginning of the training the characteristics of the observed pupils within relevant educational ranges changed as well as the disruptive behavior. Within the group of the teachers a clear and constant decrease of insensitive andinsulting behaviour could be determined.
 

Publikationen:
  • Taumer, A., Achatz, A., Atzmüller, N., Höld, S. & Julius, H. (2003, November). Klinische Bindungsforschung an einer Sondererziehungsschule: Videogestützte Evaluation einer bindungstheoretisch-orientierten Lehrerfortbildung. Präsentation des Fortbildungskonzeptes und erste Zwischenergebnisse. Präsentation auf der 3. Tagung der Österreichische Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB), Wien.
  • Taumer, A. (2004). Klinische Bindungsforschung an einer Sondererziehungsschule. Videogestützte Evaluation eines bindungstheoretisch orientierten Lehrertrainings. Unveröff. Dissertation, Universität Wien.
  • Taumer A., Achatz, A., Atzmüller, Höld, S. & Julius H. (2005). Klinische Bindungsforschung an einer Sondererziehungsschule: Videogestützte Evaluation einer bindungstheoretisch orientierten Lehrerfortbildung. Präsentation des Fortbildungskonzeptes und erste Ergebnisse. In A. Kowarsch & K.M. Pollheimer (Hrsg.), Professionalisierung in pädagogischen Berufen. Tagungsband der dritten Tagung der ÖFEB (S. 263-270). Wien: Hollinek.
  • Fida-Taumer, A. & Julius, H. (2006). Klinische Bindungsforschung im Schulbereich: Ergebnisse einer Evaluation eines bindungstheoretisch orientierten Lehrertrainings für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. In B. Gula, R. Alexandrowicz, S. Strauß, E. Brunner, B. Jenull-Schiefer & O. Vitouch (Hrsg.), Perspektiven psychologischer Forschung in Österreich. Proceedings zur 7. Wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie  (S. 328-334). Lengerich: Pabst.
Zu meiner Person
Lebenslauf
Dissertation
Diplomarbeit
Herzlich Willkommen!Psychologische BeratungMobbingEmpfohlene LinksKontaktieren Sie mich!